Ist der berühmte Bitcoin-4-Jahres-Zyklus vorbei? Seit dem Allzeithoch im Oktober 2025 hat Bitcoin mehr als die Hälfte seines Werts verloren (Stand Ende Juli 2026). Für die einen ist das der Beweis, dass der Zyklus lebt. Für die anderen zeigt genau dieser Rückgang, dass alte Muster nicht mehr gelten. Was sagen die Daten?
Die 6 wichtigsten Erkenntnisse
- Der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus ist ein historisches Muster, kein Naturgesetz. Er beschreibt wiederkehrende Marktphasen rund um das Halving. Eine Garantie für die Zukunft gibt es nicht.
- Bisher folgte auf jedes Halving ein neues Allzeithoch innerhalb von 12 bis 18 Monaten. Danach kam jeweils eine grössere Korrektur mit Rückgängen von rund 77 bis 84 Prozent.
- Der aktuelle Zyklus zeigt bisher ähnliche Muster: Nach dem Halving im April 2024 erreichte Bitcoin im Oktober 2025 ein neues Hoch. Seitdem folgte eine Korrektur von über 50 Prozent.
- Ob der Zyklus noch intakt ist, wird unterschiedlich beurteilt. Einige Analysten sehen die aktuelle Korrektur als normale Phase des Zyklus, andere argumentieren, dass ETFs und institutionelles Kapital alte Muster verändern.
- Die Ausschläge werden kleiner. Mit wachsender Marktkapitalisierung benötigt Bitcoin immer mehr Kapital, um dieselben prozentualen Bewegungen wie in früheren Jahren zu erreichen.
- Für Anleger ist der Zyklus Orientierung, aber kein Timing-Instrument. Historische Muster können helfen, Marktphasen einzuordnen – ersetzen aber keine langfristige Strategie.
Was ist der Bitcoin 4-Jahres-Zyklus?
Der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus beschreibt ein historisch beobachtetes Muster mit vier typischen Marktphasen: Akkumulation, Aufschwung, Verteilung an der Spitze und Bärenmarkt.
Auslöser ist das Bitcoin Halving, bei dem sich die Belohnung für Miner alle 210’000 Blöcke halbiert, wie auch bitcoin.org beschreibt.
Konkret halbiert sich mit jedem Halving die Zahl der neu erzeugten Bitcoin. Vor dem Halving 2024 kamen täglich rund 900 neue Bitcoin auf den Markt, danach nur noch etwa 450. Der Angebots-Hahn wird also nicht zugedreht, sondern enger gestellt. Bleibt die Nachfrage gleich oder steigt sie sogar, erhöht sich der Druck auf den Preis.
Wichtig für die Einordnung: Der Zyklus ist kein Naturgesetz und keine Formel. Er ist ein Muster, das sich in vier Marktzyklen wiederholt hat. Eine Garantie, dass es sich ein fünftes Mal exakt gleich wiederholt, gibt es nicht.
Warum gibt es überhaupt einen Vierjahreszyklus?
Der Vierjahreszyklus entstand nicht deshalb, weil sich Anleger auf einen festen Rhythmus geeinigt hätten. Vielmehr verändert das Halving das Verhältnis zwischen neuem Angebot und bestehender Nachfrage. Während weniger neue Bitcoin auf den Markt kommen, bleibt die Nachfrage häufig gleich oder steigt sogar an. Das kann den Preis unter Druck nach oben setzen.
Hinzu kommt die Psychologie der Märkte: Steigende Kurse locken neue Anleger an, die zusätzliche Nachfrage erzeugen. Mit zunehmender Euphorie steigen die Bewertungen häufig schneller als die fundamentalen Entwicklungen. Irgendwann setzen Gewinnmitnahmen ein, die Stimmung kippt und eine Korrektur folgt.
Aus dem Zusammenspiel von Angebot, Nachfrage und Anlegerpsychologie entstand in den vergangenen vier Marktzyklen ein erstaunlich ähnliches Muster – auch wenn Zeitpunkt und Intensität jedes Zyklus unterschiedlich ausfielen.
Wann fanden die bisherigen Halvings und Zyklen statt?
Die Bitcoin Mining Belohnung wurde bisher viermal halbiert:
- am 28. November 2012
- am 9. Juli 2016
- am 11. Mai 2020
- am 19. April 2024
Jeder Zyklus lässt sich in drei Phasen gliedern: eine Aufwärtsphase vom Halving bis zum Top (bisher 12 bis 18 Monate), eine Korrekturphase bis zum Tief (rund 12 bis 14 Monate) und eine Übergangsphase bis zum nächsten Halving (16 bis 18 Monate).
| Zyklus | Halving-Event | Zyklus-Top | Zyklus-Tief |
|---|---|---|---|
| 1 | 28.11.2012 ca. 12 USD |
November 2013 ca. 1’150 USD (+9’250%) |
Januar 2015 ca. 152 USD (-84%) |
| 2 | 09.07.2016 ca. 650 USD |
Dezember 2017 ca. 19’800 USD (+2’950%) |
Dezember 2018 ca. 3’200 USD (-84%) |
| 3 | 11.05.2020 ca. 8’600 USD |
November 2021 ca. 69’000 USD (+700%) |
November 2022 ca. 15’500 USD (-77%) |
| 4 laufend | 19.04.2024 ca. 64’000 USD |
06.10.2025 126’000 USD (+97%) |
01.07.2026 (Interim) 57’717 USD (-54,3%) |
Auffällig ist, dass die Ausschläge von Zyklus zu Zyklus kleiner geworden sind. Während Bitcoin nach dem ersten Halving noch um über 9’000 Prozent zulegte, lag der Anstieg nach dem Halving 2024 bislang bei knapp 100 Prozent.
Ein möglicher Grund dafür ist die wachsende Grösse des Marktes: Ein Markt mit einer Marktkapitalisierung von zwei Milliarden US-Dollar reagiert prozentual stärker auf neue Kapitalzuflüsse als ein Markt mit einer Marktkapitalisierung von mehreren Billionen US-Dollar. Je grösser der Markt wird, desto mehr zusätzliches Kapital ist nötig, um dieselbe prozentuale Kursbewegung auszulösen.
Das könnte erklären, weshalb sowohl die Aufwärtsbewegungen als auch die Rückgänge im Zeitverlauf tendenziell kleiner geworden sind.
Ist der Bitcoin 4-Jahres-Zyklus aktuell noch intakt?
Eine klare Antwort gibt es nicht: Ein Teil der Analysten hält den Zyklus für intakt, ein anderer für gebrochen, und beide Seiten stützen sich auf reale Daten. Entscheidend für die Einordnung ist auch, wann welche Einschätzung entstand.
Der Zürcher Krypto-ETP-Anbieter 21Shares bewertete den Zyklus in seinem Halbjahresbericht vom 24. Juni 2026 trotz der Korrektur als intakt. Bereits im Februar 2026, nach dem ersten grösseren Einbruch auf rund 60’000 US-Dollar, kam die Analysefirma Kaiko Research zum selben Schluss: Der Rückgang bestätige das historische Muster von 50 bis 80 Prozent Kursverlust nach einem Zyklus-Top, statt es zu widerlegen.
Der Analyst Benjamin Cowen, bekannt für seine datenbasierten Zyklusmodelle, äusserte sich im Mai 2026 ähnlich und rechnet mit einem Tiefpunkt im vierten Quartal 2026, am wahrscheinlichsten im Oktober.
Auf der anderen Seite stehen frühere, teils vor dem aktuellen Rückgang geäusserte Einwände. Arthur Hayes, Mitgründer der Derivatebörse BitMEX und heute Chief Investment Officer beim Krypto-Fonds Maelstrom, erklärte den Zyklus bereits im Oktober 2025, kurz vor dem Allzeithoch, für beendet.
Hunter Horsley, CEO des Krypto-Vermögensverwalters Bitwise, argumentierte im November 2025, das Konzept stamme aus einer Marktphase ohne institutionelles ETF-Kapital und tauge deshalb nicht mehr als Massstab.
Der On-Chain-Analyst James Check, bekannt unter dem Pseudonym Checkmate, bezeichnete den Begriff 4-Jahres-Zyklus bereits im Sommer 2025 als Missgriff. Details zur Kaiko-Einschätzung finden sich in der Kaiko-Analyse vom Februar 2026.
Wichtig für die Einordnung: Die skeptischen Stimmen datieren grösstenteils aus der Zeit vor oder kurz nach dem Allzeithoch, während die «Zyklus intakt»-Einschätzungen von 21Shares und Kaiko erst nach dem tatsächlichen Rückgang entstanden.
Das macht sie nicht automatisch richtiger, aber sie basieren auf mehr Daten. Eine abschliessende Antwort gibt es erst im Rückblick.
Was sagt der Zyklus für die kommenden Jahre?
Kurzfristig, für den Rest von 2026, würde ein Rückgang von rund -70 Prozent statt der -84 respektive -77 Prozent der letzten beiden Zyklen ein Zyklustief bei etwa 38’000 bis 39’000 US-Dollar bedeuten, ungefähr Anfang Oktober 2026. Das ist ausdrücklich ein Szenario, keine Prognose.
Langfristig gedacht ist die Zeitachse relevanter als ein einzelner Zielpreis. Historisch folgte auf jeden Zyklustiefpunkt eine mehrjährige Erholungs- und Akkumulationsphase bis zum nächsten Halving, das für Frühling 2028 erwartet wird.
Wer den Zyklus als Rahmen nutzt, blickt deshalb weniger auf einzelne Wochen im Herbst 2026 als auf den gesamten Zeitraum bis 2028, in dem sich laut Muster erst der Boden bildet und danach eine neue Aufschwungphase beginnt.
Warum könnte der Zyklus diesmal anders verlaufen?
Der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus basiert auf historischen Beobachtungen. Dennoch ist der Markt heute ein anderer als noch vor zehn Jahren. Mit den Spot-Bitcoin-ETFs ist institutionelles Kapital in Milliardenhöhe in den Markt geflossen. Gleichzeitig beeinflussen heute auch Zinspolitik, globale Liquidität, geopolitische Ereignisse und das Verhalten professioneller Investoren die Kursentwicklung stärker als in den frühen Bitcoin-Jahren.
Ob sich der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus ein fünftes Mal in ähnlicher Form wiederholt, lässt sich heute nicht beantworten. Ein historisches Muster muss sich nicht identisch wiederholen, um weiterhin einen gewissen Orientierungswert zu besitzen.
Was bedeutet der Zyklus für Anlegerinnen und Anleger?
Ob sich der Bitcoin-4-Jahres-Zyklus ein fünftes Mal in ähnlicher Form wiederholt, lässt sich heute nicht beantworten. Sicher ist jedoch: Die bisherigen Marktzyklen zeigen, dass starke Auf- und Abschwünge zum Bitcoin-Markt gehören.
Wer dieses historische Muster kennt, kann Kursbewegungen besser einordnen und trifft oft ruhigere Entscheidungen. Der Vierjahreszyklus ist deshalb keine Glaskugel, sondern eine Orientierungshilfe und ersetzt niemals eine langfristige Anlagestrategie.
Eine Strategie ist das regelmässige Investieren eines fixen Betrags (Sparplan) unabhängig vom Zyklusverlauf, bekannt als Dollar-Cost-Averaging: Es glättet automatisch sowohl Hochs als auch Tiefs. Wie sich ein Bitcoin-Sparplan in fünf Schritten einrichten lässt und Strategien rund um Bitcoin-Sparpläne zeigt dieser Beitrag.
Häufige Fragen zum Bitcoin 4-Jahres-Zyklus
Der Zyklus wird durch das Bitcoin Halving ausgelöst, bei dem sich die Neuausgabe von Bitcoin alle vier Jahre halbiert. Zusätzlich spielen Marktliquidität, Zinsen und Anlegerpsychologie eine Rolle.
Das vierte Halving fand am 19. April 2024 statt. Das fünfte Halving wird für Frühling 2028 erwartet.
21Shares und Kaiko Research stufen den Zyklus im Sommer 2026 als intakt ein. Frühere Kritiker wie Arthur Hayes und James Check bezweifeln das grundsätzlich, ihre Einschätzungen stammen jedoch teils von vor dem aktuellen Rückgang. Eine endgültige Antwort gibt es erst im Rückblick.
Der Analyst Benjamin Cowen rechnet mit einem Zyklustief im vierten Quartal 2026, am wahrscheinlichsten im Oktober. Eine Garantie gibt es dafür nicht. Der Zyklus liefert eine Landkarte, keinen Fahrplan. Er hilft, Kursrückgänge historisch einzuordnen, ersetzt aber keine eigene Strategie. Mehr Struktur als die Frage nach dem exakten Monat bietet ein fester Sparplan über den gesamten Zeitraum bis zum nächsten Halving.
